Genf. unkonventionell.


Am letzten Abend in Bologna waren wir noch in einem wirklich schönen Transylvanischen Pub / Themenlokal. Der Himmel für jeden Emo! Außerdem machten wir Bekanntschaft mit Christian (Ich glaub er hieß so) aus Bochum, einem Aussteiger über 50, der uns auf seiner Mundharmonika den Blues spielte. Außerdem war er total begeistert, dass er auf deutsche traf und hat uns die halbe neue deutsche Welle vorgesungen. Danach haben wir uns noch einen Sessel aus dem Müll gezogen und es uns in Astrids Straße bei einem Bier gemütlich gemacht.

Am nächsten Tag stand die Fahrt Bologna-Lyon an, was ja wegen des Streiks recht kompliziert war und im Endeffekt fast 30 Stunden gedauert hat. Während der Zeit habe ich immer wieder in meinem Block Notizen gemacht, die ich einfach mal abtippen werde, dann versteht ihr vielleicht eher was los war als wenn ich’s einfach so nacherzähle:

06:00 Uhr

Endlich sitz ich im Zug nach Mailand. Astrid dachte die letzten zwei Tage, ich würde unbedingt aus Bologna weg wollen, was aber so nicht stimmt, ich war nur a bisssl gestresst wegen der ganzen Sciopero-Geschichte und sauer dass ich deswegen die schöne Strecke über San Remo und Nizza am Meer entlang nicht fahren kann. Bologna ist super. Im Ernst. Eigentlich sollte da jeder mal hin und ohne Stadtplan für ein paar Tage nur spazieren gehen.
Jetzt ist es 6 Uhr früh und Astrid, Manu und Michi sind tatsächlich zu dieser unchristlichen Zeit aufgestanden um mich zum Bahnhof zu bringen. Das ist echt lieb von ihnen und irgendwie tun sie mir ziemlich leid wie sie da am Bahnhof stehen und mir nachwinken. Ich glaub ich hätte den Weg auch allein gefunden. Vor allem der Manu war total geschreckt als ich nach 2 Stunden Schlaf um 5 das Licht im Zimmer angemacht habe und hat geschaut wie ein Reh auf der Landstraße.
Jetzt sitz ich also im Zug und bin total aufgeregt und freu mich. Irgendwie weiß ich zwar nicht warum und worauf, aber es wird sicher toll. Gerade ist noch der Schaffner rein gekommen und er meinte wegen dem Streik wäre heute leider die Heizung nicht in Betrieb. Recht so. Sollen sie frieren die Arschlöcher im Streikbrecherzug. Allerdings wäre es wohl eigentlich auch nur ein Knopfdruck für ihn. Außer Trenitalia hat noch Kohleschaufler nur für die Heizung, die heute Sciopero machen.

11:30 Uhr

Ich liebe den Bahnhof von Mailand, alle die schon mit mir dort waren werden das wissen. Ein neoklassizistischer Supergau irgendwo zwischen Albert Speer und Gotham City. Als hätte Mussolini persönlich eine Sandburg gebaut.
Mit Zügen schaut´s mies aus, anscheinend gibt es einen Ersatzbus von dem aber niemand weis, wo er losfährt. An jedem der Schalter stehen Schlangen lang wie eine U-Bahn in denen ich schon mindestens 2 Stunden verbracht habe. Die Ansteherei wird dadurch erschwert, dass der italienische Mob unfähig ist eine Reihe zu bilden und sich deshalb immer als Klumpen um den Schalter drängt. Hin und wieder taucht ein Fernsehteam auf und entreißt verzweifelten Pendlern ihre Warhol´schen 15 Minuten.
Immer wenn ich mich kurz auf den Boden hocken will kommen sofort irgendwelche Bahnhofscarabinieri und gschafteln mich weg.
Ich wird jetzt erst mal meinen Großen Rucksack einsperren und mich ein bissl in Mailand umschauen wenn ich schon mal da bin. Vielleicht kann ich ja eine Nacht hier bleiben.

16:30 Uhr

Immer noch hübsch dieses Mailand. Bin dem Dom aufs Dach gestiegen und hab eine Menge Nebel gesehen. Im Hostel ist leider kein Bett mehr frei und der Bahnhof hat wegen Renovierung keine Fenster. Fuerte Ventilacion! Da kann ich definitiv nicht pennen sonst hol ich mir den Tod und das wär grad ungünstig. Also habe ich mich nach allen Zügen erkundigt die noch fahren, ich kann ja mit dem Ticket gratis fahren und im Zug ist es warm und gemütlich. Tadaaa! Um halb 7 geht’s über Stuttgart nach Genf. Dort muss ich nur noch 4 Stunden warten und kann denn Zug nach Lyon nehmen. Wenn die jetzt aber den Zug nach Stuttgart jetzt doch noch canceln krieg ich einen Schreikrampf.

03:00 Uhr

So, jetzt bin ich in Genf. Leider haben sie mich aus dem Bahnhof geworfen also dachte ich, ich schau mir mal den See hier an. Seit Sonntag früh hab ich nicht mehr geduscht und auch nicht mehr als eineinhalb Stunden geschlafen – hat im Zug nicht geklappt- aber irgendwie bin ich trotzdem fit. Ich fühle mich wie mein italienischer M&S Softpack. Zerknittert, nicht ganz frisch aber irgendwie ist immer noch was drin.
Der See ist Nachts richtig schön und so klar, dass man sogar jetzt noch auf den Grund sieht. Außerdem ist die Oberfläche so spiegelglatt und ruhig dass man sie gar nicht sieht. Die Partyenten, die grad von der Disco heim schwimmen scheinen in der Luft zu schweben. Ich glaube, das kann man  nicht wirklich beschreiben. Kommt her und schaut es euch selbst an. Wenn ihr euch beeilt dann treffen wir uns. Ich sitze hier bis halb 6 auf meiner kleinen Sandlerbank gegenüber von der „General Guisan“ (Ein Ausflugsschiff) und freu mich über jeden Besuch. Ich habe den Verdacht, die Partyenten interessieren sich mehr für meine Kekse als für mich.


05:00 Uhr

Mir ist kalt.


09:00 Uhr

Endlich bin ich in Lyon, der erste Zug ist ausgefallen, weil in Frankreich irgendein Feiertag ist, aber jetzt bin ich endlich am Ziel. Leider fehlt der Cornii. Hat verpennt und meint, er käme erst in einer halben Stunde. Na gut, nach fast 30 Stunden kommts jetzt darauf auch nicht mehr an.

13.11.08 10:45

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Astrid (13.11.08 15:35)
Bist doch noch aus der Bananrepublik rausgekommen! Und rate mal, was passiert ist??!! Ich hab endlich Internet! Viel Spaß in Lyon und ohne dich macht sciopero gar keinen Spaß!

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