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So long Suckers!


Los geht’s! 2 Minuten vor Abfahrt war ich durch den Südbahnhof gesprintet und hab dabei  sicher seltsam ausgesehen weil ich irgendwie den Schwerpunkt von dem Rucksack noch nicht ganz raus hab.
Der Zug war Gott sei dank halb leer, es war genug Platz und ich konnte mich zurücklehnen und dieses geile Aufbruchsgefühl genießen. Ein ganzer Monat Ruhe! Kein „Frag doch den Inder!“, kein „Kannst du da für mich arbeiten?“ kein „Wann is es denn jetzt fertig?“ kein „Servus die Wadeln!“ Anscheinend bin ich grade noch rechtzeitig bin ich aus Wien geflohen, gestern haben sie auf der Mariahilfer Straße schon die Weihnachtsbeleuchtung installiert und damit besinnliches Stresskaufen angedroht. Egal. Ich bin auf dem Weg in eine Stadt in der Scheißweihnachten noch weit weg ist. Langsam steigt die Sonne über dem Nebel auf und wir wundern uns beide dass wir uns um die Uhrzeit begegnen.
Dann bin ich eingeschlafen und wurde nach gefühlten 2 Stunden von einem „Foascheine bitte!“ geweckt. Grade als ich fragen wollte ob wir schon an Klagenfurt vorbei sind sehe ich draußen das Schild „Wiener Neustadt“ vorbeifahren. Interrail dauert länger als man denkt.

Ansonsten gibt’s von der Fahrt nicht allzu viel zu erzählen, außer dass ich meinen Anschlusszug verpasst hab und deshalb erst später in Bologna ankam.
Jetzt sitz ich in der wunderschönen Wohnung von der Astrid, hab den Bauch voll Pasta und freu mich scho aufs weggehen. Astrid erzählt was von Aperitivo und Disse, verspricht „gamsige Mädels“ und meint „die Typen sind spitz wie Nachbars Lumpi“.

Ah genau, mein Held des Tages: Lustiger Engländer der schwer begeistert war vom Alpenpanorama und unbedingt Fotos machen wollte. Aber jedes mal wenn wir aus einem Tunnel raus waren und er den Foto an die Scheibe drückte waren wir schon im nächsten Tunnel drin. War ein großartiges Schauspiel. Irgendwann hat er dann den Foto seiner Frau gegeben und gesagt: „You try it now. Its really frustrating“

Bis Morgen!

Wolle

6.11.08 20:29, kommentieren

Son of a Leprachaun



Astrid hat Recht. Die Institution „Aperitivo“ brauchts dringend auch im Rest der Welt. Man Zahlt 8 Euro und kriegt dafür ein Getränk und all you can eat kleine Häppchen, Minitramezzini, Oliven, Ananas mit Prosciutto umwickelt und und und.  Ein Paradies. Danach sind wir auf eine Erasmusparty im HOBBY ONE weitergezogen wo sich bestätigt hat was ich schon den ganzen Tag dachte. Erstens: Bologna ist ein Dorf. Zweitens: Es gibt außer Don Domesto dem Klo-Paten im weißen Anzug keine Italiener in dieser Stadt.
Der DJ legte die besten Klingeltöne aus den 90ern auf und wir hatten jede Menge Spass mit „I´m Blue“ (Ich hatte das Lied schon fast wieder vergessen, es hat mir aber nichts gefehlt im Leben). Leider gibt’s hier ab 2 Uhr nix mehr zu trinken also sind wir noch mit Paul dem Iren („I´m half leprachaun half irish!&ldquo duch die Stadt gewandert und haben Läden gesucht, die noch Bier verkaufen. Erfolg. Um Halb 6 waren wir im Bett.
Jetzt ist es grade 12 Uhr, die Sonne scheint, Astrid is an der Uni und ich genieße meinen dritten Cappuccino vor der Uni. Das Leben kann so schön sein.

Sonnige Grüße
Wolle
P.S: War vielleicht doch keine so gute Idee direkt vor dem Urlaub neue Schuhe zu kaufen, die noch nicht eingelaufen sind.


2 Kommentare 6.11.08 20:31, kommentieren

Chiuso per sciopero



Heute war mal unser Kulturtag. Haben im Dom die Meridianalinie bestaunt und haben ein Focault´sches Pendel gesehen. War großartig. Dann waren wir noch ein bisschen unterwegs und sind direkt in einen aufgebrachten Mob gelaufen, der mit Pfeifen und Fahnen gegen irgendwas protestiert haben. Ein Höllengetöse (Es klingt wie eine Revolution), alle öffentlichen Gebäude sind dicht und wichtige Menschen brüllen in Megafone. Wenn man dem Redner zustimmt wird gepfiffen, wenn man anderer Meinung ist pfeift man auch, aber lauter.
Der Italiener an sich streikt gern und hat anscheinend für jede Art des Protests eine eigene Fahne zur Hand. Das ganze Chaos hatte einen gewissen Unterhaltungswert, bis eine Oma meinte,  man hätte sich für ein langes Wochenende entschieden und am Montag würde kein Zug fahren. Schlecht für mich, schlecht für Lyon. Ich werd mir wohl eine andere Zugverbindung suchen müssen. @ Cornii: Ich halt dich auf dem laufenden!
Am Abend sind wir dann in eine Trattoria gegangen – seltsamerweise wird die Gastronomie nie bestreikt- und haben ein Menü gefuttert wie ich noch nie eines gesehen hab. Zu viert gabs immer zwei Portionen auf je zwei tellern und das war schon zu viel. Sechzehn verschiedene Vorspeisen, dann die besten nudeln die ich kenne (übersetzt heißen die so was wie „Würg den Priester!&ldquo und dann wäre eigentlich schon nix mehr reingegangen wenn die Trattoria nicht bekannt wäre für ihre Dolci. Also gut, bring it on. Locker 20 Minuten lang kamen von jeder Süßspeise die Menschen nur kennen im Minutentakt kleine Probierhäppchen. Im absoluten Zuckerrausch dachte ich kurz daran meinen Löffel wegzulegen (Hier gibt’s große Löffel zum Dessert) und mit den Händen weiterzuessen. Wir hatten selten so viel Spaß beim essen. Abgesehen davon dass wir alle schon eine halbe Stunde vorher voll waren hatten wir auch einen Blutzuckerspiegel bis unter die Augenbrauen. Egal, es war einfach genial lecker. Irgendwann wollten wir schlapp machen und ein Stück Kuchen  ablehnen. Darauf hatte der Kellner anscheinend nur gewartet und schleppte 4 Windbeutel auf unsere Teller. Dann verschwand er in der Küche und kam mit einer riesigen Schüssel Schokosoße wieder, die er uns über die Windbeutel goss. Dabei versicherte er wir müssten das probieren, es wäre so lecker und alles hausgemacht. Ich glaube, eine Spur von Sadismus war auch in seinem Grinsen.
Einen Schokosoßenwindbeutel und 20 Minuten später waren wir aufgedunsen und unterwegs auf einem Verdauungsspaziergang wie er dringender nicht sein konnte. Wir waren uns alle einig dass wir noch nie so gut gegessen hatten und auch sicher nie wieder etwas essen müssten.

Es lebe die Italienische Küche!
Wolle

P.S. Bald mehr mit Bildern!

8.11.08 18:13, kommentieren

40er Arsch in 36er Hose


Wenn ihr wissen wollt, wie wir uns nach dem Essen gefühlt haben, lest nochmal die Überschrift. Trotzdem ging zum Frühstück schon wieder ein Käsbrot, Schinken und Apfel. Bologna, la grassa.
Dann machten wir uns auf den Weg zur Bußwallfahrt um für unsere Sünde der Völlerei Vergebung zu erlangen. 3,5km bergauf, unter exakt 666 Torbogen die Collina hoch zur Kiche Santa Luca.
Währen wir oben nicht in Schmerzen zusammengebrochen dann hätten wir einen wunderschönen Ausblick über Bologna und jede menge Umgebung gehabt. (Irgendwelche Leute sind die Strecke sogar gejoggt. Freaks.) In der Kirche wurde um Spenden gebeten, damit Messen für die armen Seelen im Purgatorium gelesen werden können. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber wurde die Vorhölle nicht vor einiger Zeit vom Vatikan höchstselbst abgeschafft? Wer will kanns ja googeln.

Am Abend hatte ich dann mein erstes Interview. Filippo von „Fausto´s Precious Soul“ und „The Sea came by“ ist ein wirklich netter Kerl, der eigentlich am Lehrstuhl für Astrophysik unterrichtet und nur nebenbei zum Spass Kurzfilme dreht. Er hat sich sehr über unser Interesse gefreut, der Astrid eine Rose gekauft und über Berlusconi geschimpft.

Jetzt geht’s noch auf eine Geburtstagsfeier und anschließend zur Eröffnung eines neuen Studentenclubs. Wir müssen bis 5 Uhr durchhalten (Wie soll das nur gehen?!?!?!:-)) weil dann Manu und Michi mit dem Nachtzug ankommen und abgeholt werden wollen.

A propos Zug: Sofern ich mich noch artikulieren kann werde ich mich nach einem Streikbrecherzug erkundigen, der mich vielleicht doch am Montag  nach Lyon bringt. Die schöne Küstenstrecke über San Remo kann ich aber wohl vergessen. Da is Scioppero.

Bis Morgen
Wolle

1 Kommentar 9.11.08 16:28, kommentieren

Die Hassnovelle

Gestern Abend is alles schiefgelaufen, was nur schief gehen kann. Bei der Geburtstagsfeier haben wir prächtig zu Abend gegessen und dann auf 12 Uhr gewartet um zu der Cluberöffnung zu kommen. Kaum waren wir in der Stadt fing das Chaos an. Keiner wusste , wo der Laden eigentlich ist und wir sind ziellos durch Bologna geirrt. Als sich der Alkoholpegel einem gefährlichen Nullpunkt näherte wollten wir ins Hobby One gehen, wo der Drecks-Türsteher aber meinte heute wäre Hemdentag und mit meinem T-Shirt käm ich hier nicht mal aufs Klo. Screw You Fuckhead! Mittlerweile war es schon Halb 2. Bologna Fun Fact #33: Ab 2 Uhr wird kein Alk ausgeschenkt. Das nahm uns selbst die letzte Möglichkeit unseren Pegel für unanständig viel Geld wieder zu beleben. Wir haben dann doch noch eine wirklich coole Bar gefunden die uns bis halb drei Heineken verkauft hat. Danach gabs noch ein Dosenbier beim Pizzastand und ein Gemübeisa mit Paul und Bruno dem sturzbetunkenen Saudi-Araber. Pünktlich um viertel nach 5 haben wir Michi und Manu vom Bahnhof abgeholt, aber ich hab eine erbärmliche Figur dabei abgegeben weil ich total am Sack war. Ab ins Bett, bis ein Uhr schlafen und dann Frühstücken. Bin immer noch nicht ganz Fit.

Jetzt geht’s wieder zum Bahnhof. Ich habe Trenitalia den Djihad erklärt und werde jetzt ein bisschen Wahalla in der Bahnhofshalle machen. Die meinen wirklich dass mich morgen kein Zug aus dieser Bananenrepublik bringt. Stronzi tutti quanti!

Kaputt grüßt der Wolle

2 Kommentare 9.11.08 16:51, kommentieren

Genf. unkonventionell.


Am letzten Abend in Bologna waren wir noch in einem wirklich schönen Transylvanischen Pub / Themenlokal. Der Himmel für jeden Emo! Außerdem machten wir Bekanntschaft mit Christian (Ich glaub er hieß so) aus Bochum, einem Aussteiger über 50, der uns auf seiner Mundharmonika den Blues spielte. Außerdem war er total begeistert, dass er auf deutsche traf und hat uns die halbe neue deutsche Welle vorgesungen. Danach haben wir uns noch einen Sessel aus dem Müll gezogen und es uns in Astrids Straße bei einem Bier gemütlich gemacht.

Am nächsten Tag stand die Fahrt Bologna-Lyon an, was ja wegen des Streiks recht kompliziert war und im Endeffekt fast 30 Stunden gedauert hat. Während der Zeit habe ich immer wieder in meinem Block Notizen gemacht, die ich einfach mal abtippen werde, dann versteht ihr vielleicht eher was los war als wenn ich’s einfach so nacherzähle:

06:00 Uhr

Endlich sitz ich im Zug nach Mailand. Astrid dachte die letzten zwei Tage, ich würde unbedingt aus Bologna weg wollen, was aber so nicht stimmt, ich war nur a bisssl gestresst wegen der ganzen Sciopero-Geschichte und sauer dass ich deswegen die schöne Strecke über San Remo und Nizza am Meer entlang nicht fahren kann. Bologna ist super. Im Ernst. Eigentlich sollte da jeder mal hin und ohne Stadtplan für ein paar Tage nur spazieren gehen.
Jetzt ist es 6 Uhr früh und Astrid, Manu und Michi sind tatsächlich zu dieser unchristlichen Zeit aufgestanden um mich zum Bahnhof zu bringen. Das ist echt lieb von ihnen und irgendwie tun sie mir ziemlich leid wie sie da am Bahnhof stehen und mir nachwinken. Ich glaub ich hätte den Weg auch allein gefunden. Vor allem der Manu war total geschreckt als ich nach 2 Stunden Schlaf um 5 das Licht im Zimmer angemacht habe und hat geschaut wie ein Reh auf der Landstraße.
Jetzt sitz ich also im Zug und bin total aufgeregt und freu mich. Irgendwie weiß ich zwar nicht warum und worauf, aber es wird sicher toll. Gerade ist noch der Schaffner rein gekommen und er meinte wegen dem Streik wäre heute leider die Heizung nicht in Betrieb. Recht so. Sollen sie frieren die Arschlöcher im Streikbrecherzug. Allerdings wäre es wohl eigentlich auch nur ein Knopfdruck für ihn. Außer Trenitalia hat noch Kohleschaufler nur für die Heizung, die heute Sciopero machen.

11:30 Uhr

Ich liebe den Bahnhof von Mailand, alle die schon mit mir dort waren werden das wissen. Ein neoklassizistischer Supergau irgendwo zwischen Albert Speer und Gotham City. Als hätte Mussolini persönlich eine Sandburg gebaut.
Mit Zügen schaut´s mies aus, anscheinend gibt es einen Ersatzbus von dem aber niemand weis, wo er losfährt. An jedem der Schalter stehen Schlangen lang wie eine U-Bahn in denen ich schon mindestens 2 Stunden verbracht habe. Die Ansteherei wird dadurch erschwert, dass der italienische Mob unfähig ist eine Reihe zu bilden und sich deshalb immer als Klumpen um den Schalter drängt. Hin und wieder taucht ein Fernsehteam auf und entreißt verzweifelten Pendlern ihre Warhol´schen 15 Minuten.
Immer wenn ich mich kurz auf den Boden hocken will kommen sofort irgendwelche Bahnhofscarabinieri und gschafteln mich weg.
Ich wird jetzt erst mal meinen Großen Rucksack einsperren und mich ein bissl in Mailand umschauen wenn ich schon mal da bin. Vielleicht kann ich ja eine Nacht hier bleiben.

16:30 Uhr

Immer noch hübsch dieses Mailand. Bin dem Dom aufs Dach gestiegen und hab eine Menge Nebel gesehen. Im Hostel ist leider kein Bett mehr frei und der Bahnhof hat wegen Renovierung keine Fenster. Fuerte Ventilacion! Da kann ich definitiv nicht pennen sonst hol ich mir den Tod und das wär grad ungünstig. Also habe ich mich nach allen Zügen erkundigt die noch fahren, ich kann ja mit dem Ticket gratis fahren und im Zug ist es warm und gemütlich. Tadaaa! Um halb 7 geht’s über Stuttgart nach Genf. Dort muss ich nur noch 4 Stunden warten und kann denn Zug nach Lyon nehmen. Wenn die jetzt aber den Zug nach Stuttgart jetzt doch noch canceln krieg ich einen Schreikrampf.

03:00 Uhr

So, jetzt bin ich in Genf. Leider haben sie mich aus dem Bahnhof geworfen also dachte ich, ich schau mir mal den See hier an. Seit Sonntag früh hab ich nicht mehr geduscht und auch nicht mehr als eineinhalb Stunden geschlafen – hat im Zug nicht geklappt- aber irgendwie bin ich trotzdem fit. Ich fühle mich wie mein italienischer M&S Softpack. Zerknittert, nicht ganz frisch aber irgendwie ist immer noch was drin.
Der See ist Nachts richtig schön und so klar, dass man sogar jetzt noch auf den Grund sieht. Außerdem ist die Oberfläche so spiegelglatt und ruhig dass man sie gar nicht sieht. Die Partyenten, die grad von der Disco heim schwimmen scheinen in der Luft zu schweben. Ich glaube, das kann man  nicht wirklich beschreiben. Kommt her und schaut es euch selbst an. Wenn ihr euch beeilt dann treffen wir uns. Ich sitze hier bis halb 6 auf meiner kleinen Sandlerbank gegenüber von der „General Guisan“ (Ein Ausflugsschiff) und freu mich über jeden Besuch. Ich habe den Verdacht, die Partyenten interessieren sich mehr für meine Kekse als für mich.


05:00 Uhr

Mir ist kalt.


09:00 Uhr

Endlich bin ich in Lyon, der erste Zug ist ausgefallen, weil in Frankreich irgendein Feiertag ist, aber jetzt bin ich endlich am Ziel. Leider fehlt der Cornii. Hat verpennt und meint, er käme erst in einer halben Stunde. Na gut, nach fast 30 Stunden kommts jetzt darauf auch nicht mehr an.

2 Kommentare 13.11.08 10:45, kommentieren

Arthur est un perropuet...


Gestern sind wir noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen, haben einige Kirchen besichtigt und Lyon von oben gesehen. In der Jugendherberge bin ich unter anderem mit einem klugscheißenden Algerier im Zimmer der laufend mein Französisch kritisiert. Vermutlich hab ich’s verdient, ich hab erschreckend viel vergessen von dieser Sprache. Gott sei Dank habe ich mir ein kleines Buch besorgt (Französisch für Büffelmuffel) das dieses Manko hoffentlich bald wieder beseitigt. Das erste Kapitel handelt von Yaya, dem marokkanischen Zuhälter, der Ludmilla die nichts ahnende Russin auf den Strich schickt. Gott sei Dank gibt es da noch Marie die ambitionierte Hobbydetektivin, die sich der Sache annimmt. Ich bin ja schon so gespannt wie es ausgeht! Immerhin ist es lustiger als mein Schulbuch das mit den Worten „Arthur ist ein Papagei...“ begann.

Am Abend sind wir dann noch mit Valerie, Katharina und Carolin was trinken gegangen. Hier kostet das Bier 5,60 und mir wurde gesagt, das wär noch günstig. Irgendwie hatte ich Sehnsucht nach dem Bierpreis in Regensburg und sogar nach dem in Wien. Auf jeden Fall war der Keeper der vollste im gesamten Lokal und hat im Minutentakt Gläser zerschmissen. Besonders großartig war sein Kampf mit einer Espressotasse, die auch nach dem 5. Versuch nicht an ihrem Platz liegen bleiben wollte und dann wie vieles andere am Boden zu Bruch ging.

Heute früh habe ich dann verschlafen und wurde um 11 von dem fröhlichen Putzmann geweckt der durchs Zimmer wischte. Um 12 ging´s dann los auf den Berg über Vieux Lyon, wo 2 römische Theater nebeneinander stehen (Das erste Multiplex der Welt). Außerdem gibt’s da oben eine ziemlich schöne Kirche mit enorm vielen Mosaiken.
Dann wars aber Zeit für einen Kaffee und das Savoir Vivre oder Laissez Faire oder wie auch immer die Franzosen das Nichtstun so blumig umschreiben. Es gibt hier großartige kleine Cafes in denen man den ganzen Tag nichts anderes tun könnte als Leute auf der Straße beobachten.
Am Nachmittag gingen wir an den Geburtsort des Kinos, der Villa der Lumieres in der der Kinematoraph erfunden wurde. Ehrlich gesagt war das Museum das daraus gemacht wurde ein wenig enttäuschend weil alle Filme digital projiziert waren und man keinen von den wirklich wichtigen Apparaten in Action erlebt hat. Außerdem weigern sich die Franzosen die Exponate auch in Englisch zu beschriften, was den Lenrneffekt recht gering hält. Zumindest bin ich an genau der Stelle gestanden wo der Kollege Lumiere für den „ersten Film der Welt“ (DIE ARBEITER VERLASSEN DIE FABRIK) an der Kamera gekurbelt hat. Der Blickwinkel der Kamera ist zwar von Leuchtpunkten am Boden markiert aber anstatt der Fotofabrik ist in dem Schuppen im Hintergrund jetzt ein Kino mit neuer Glasfassade untergebracht. Heute Abend gehen wir dann essen und danach wird auf einem Schiff gefeiert oder im GROUND ZERO. Klingt nach Abrissparty.

2 Kommentare 13.11.08 10:54, kommentieren