Chiuso per sciopero



Heute war mal unser Kulturtag. Haben im Dom die Meridianalinie bestaunt und haben ein Focault´sches Pendel gesehen. War großartig. Dann waren wir noch ein bisschen unterwegs und sind direkt in einen aufgebrachten Mob gelaufen, der mit Pfeifen und Fahnen gegen irgendwas protestiert haben. Ein Höllengetöse (Es klingt wie eine Revolution), alle öffentlichen Gebäude sind dicht und wichtige Menschen brüllen in Megafone. Wenn man dem Redner zustimmt wird gepfiffen, wenn man anderer Meinung ist pfeift man auch, aber lauter.
Der Italiener an sich streikt gern und hat anscheinend für jede Art des Protests eine eigene Fahne zur Hand. Das ganze Chaos hatte einen gewissen Unterhaltungswert, bis eine Oma meinte,  man hätte sich für ein langes Wochenende entschieden und am Montag würde kein Zug fahren. Schlecht für mich, schlecht für Lyon. Ich werd mir wohl eine andere Zugverbindung suchen müssen. @ Cornii: Ich halt dich auf dem laufenden!
Am Abend sind wir dann in eine Trattoria gegangen – seltsamerweise wird die Gastronomie nie bestreikt- und haben ein Menü gefuttert wie ich noch nie eines gesehen hab. Zu viert gabs immer zwei Portionen auf je zwei tellern und das war schon zu viel. Sechzehn verschiedene Vorspeisen, dann die besten nudeln die ich kenne (übersetzt heißen die so was wie „Würg den Priester!&ldquo und dann wäre eigentlich schon nix mehr reingegangen wenn die Trattoria nicht bekannt wäre für ihre Dolci. Also gut, bring it on. Locker 20 Minuten lang kamen von jeder Süßspeise die Menschen nur kennen im Minutentakt kleine Probierhäppchen. Im absoluten Zuckerrausch dachte ich kurz daran meinen Löffel wegzulegen (Hier gibt’s große Löffel zum Dessert) und mit den Händen weiterzuessen. Wir hatten selten so viel Spaß beim essen. Abgesehen davon dass wir alle schon eine halbe Stunde vorher voll waren hatten wir auch einen Blutzuckerspiegel bis unter die Augenbrauen. Egal, es war einfach genial lecker. Irgendwann wollten wir schlapp machen und ein Stück Kuchen  ablehnen. Darauf hatte der Kellner anscheinend nur gewartet und schleppte 4 Windbeutel auf unsere Teller. Dann verschwand er in der Küche und kam mit einer riesigen Schüssel Schokosoße wieder, die er uns über die Windbeutel goss. Dabei versicherte er wir müssten das probieren, es wäre so lecker und alles hausgemacht. Ich glaube, eine Spur von Sadismus war auch in seinem Grinsen.
Einen Schokosoßenwindbeutel und 20 Minuten später waren wir aufgedunsen und unterwegs auf einem Verdauungsspaziergang wie er dringender nicht sein konnte. Wir waren uns alle einig dass wir noch nie so gut gegessen hatten und auch sicher nie wieder etwas essen müssten.

Es lebe die Italienische Küche!
Wolle

P.S. Bald mehr mit Bildern!

8.11.08 18:13, kommentieren

Son of a Leprachaun



Astrid hat Recht. Die Institution „Aperitivo“ brauchts dringend auch im Rest der Welt. Man Zahlt 8 Euro und kriegt dafür ein Getränk und all you can eat kleine Häppchen, Minitramezzini, Oliven, Ananas mit Prosciutto umwickelt und und und.  Ein Paradies. Danach sind wir auf eine Erasmusparty im HOBBY ONE weitergezogen wo sich bestätigt hat was ich schon den ganzen Tag dachte. Erstens: Bologna ist ein Dorf. Zweitens: Es gibt außer Don Domesto dem Klo-Paten im weißen Anzug keine Italiener in dieser Stadt.
Der DJ legte die besten Klingeltöne aus den 90ern auf und wir hatten jede Menge Spass mit „I´m Blue“ (Ich hatte das Lied schon fast wieder vergessen, es hat mir aber nichts gefehlt im Leben). Leider gibt’s hier ab 2 Uhr nix mehr zu trinken also sind wir noch mit Paul dem Iren („I´m half leprachaun half irish!&ldquo duch die Stadt gewandert und haben Läden gesucht, die noch Bier verkaufen. Erfolg. Um Halb 6 waren wir im Bett.
Jetzt ist es grade 12 Uhr, die Sonne scheint, Astrid is an der Uni und ich genieße meinen dritten Cappuccino vor der Uni. Das Leben kann so schön sein.

Sonnige Grüße
Wolle
P.S: War vielleicht doch keine so gute Idee direkt vor dem Urlaub neue Schuhe zu kaufen, die noch nicht eingelaufen sind.


2 Kommentare 6.11.08 20:31, kommentieren

So long Suckers!


Los geht’s! 2 Minuten vor Abfahrt war ich durch den Südbahnhof gesprintet und hab dabei  sicher seltsam ausgesehen weil ich irgendwie den Schwerpunkt von dem Rucksack noch nicht ganz raus hab.
Der Zug war Gott sei dank halb leer, es war genug Platz und ich konnte mich zurücklehnen und dieses geile Aufbruchsgefühl genießen. Ein ganzer Monat Ruhe! Kein „Frag doch den Inder!“, kein „Kannst du da für mich arbeiten?“ kein „Wann is es denn jetzt fertig?“ kein „Servus die Wadeln!“ Anscheinend bin ich grade noch rechtzeitig bin ich aus Wien geflohen, gestern haben sie auf der Mariahilfer Straße schon die Weihnachtsbeleuchtung installiert und damit besinnliches Stresskaufen angedroht. Egal. Ich bin auf dem Weg in eine Stadt in der Scheißweihnachten noch weit weg ist. Langsam steigt die Sonne über dem Nebel auf und wir wundern uns beide dass wir uns um die Uhrzeit begegnen.
Dann bin ich eingeschlafen und wurde nach gefühlten 2 Stunden von einem „Foascheine bitte!“ geweckt. Grade als ich fragen wollte ob wir schon an Klagenfurt vorbei sind sehe ich draußen das Schild „Wiener Neustadt“ vorbeifahren. Interrail dauert länger als man denkt.

Ansonsten gibt’s von der Fahrt nicht allzu viel zu erzählen, außer dass ich meinen Anschlusszug verpasst hab und deshalb erst später in Bologna ankam.
Jetzt sitz ich in der wunderschönen Wohnung von der Astrid, hab den Bauch voll Pasta und freu mich scho aufs weggehen. Astrid erzählt was von Aperitivo und Disse, verspricht „gamsige Mädels“ und meint „die Typen sind spitz wie Nachbars Lumpi“.

Ah genau, mein Held des Tages: Lustiger Engländer der schwer begeistert war vom Alpenpanorama und unbedingt Fotos machen wollte. Aber jedes mal wenn wir aus einem Tunnel raus waren und er den Foto an die Scheibe drückte waren wir schon im nächsten Tunnel drin. War ein großartiges Schauspiel. Irgendwann hat er dann den Foto seiner Frau gegeben und gesagt: „You try it now. Its really frustrating“

Bis Morgen!

Wolle

6.11.08 20:29, kommentieren

Kein Zurück mehr

Heute kam endlich  meine große Europakarte und der EUROPEAN RAIL TIMETABLE den ich bestellt hatte. Ich hab zwar noch keine Ahnung wie ich diese Buch bedienen soll, aber zur Not frag ich halt den Schaffner. Leider ist es ziemlich schwer sich zwischen Scenic Routes mit schöner Umgebung und schneller Verbindung zu entscheiden. Vor allem weil die Verbindung auch nicht zu schnell sein darf, sonst kostet sie Aufschlag(TGV etc.). Und Geld is knapp. Vor drei Tagen habe ich mir mein Ticket gekauft und bin mit einem unglaublich erhebenden Gefühl von Freiheit und Vorfreude durch den Bahnhof marschiert. Eigentlich wollte ich sofort losfahren. Dann beim Blick auf den Kontostand ist mir aber aufgefallen, dass "Freiheit" und "Pleite" in einem erschreckenden Zusammenhang stehen. Das hätte vielleicht jemand den Bewohnern von home of the brave and land of the free schon vor ein paar Monaten erklären sollen.

Ich freu mich auf jeden Fall tierisch auf den November!

Bis dann!

Wolle

1 Kommentar 9.10.08 02:19, kommentieren